Was ist Tinnitus? Im MeDi-Guide Ratgeber der Blomenburg Privatklinik erfahren Sie es.
Was ist Tinnitus?
In der Ruhe liegt die Kraft?

Es ist nicht nur die Baustelle vor dem Haus oder die Sirene des Rettungswagens, welche uns aufgrund der Lautstärke und der Tonart des Geräusches unangenehm sind. Wer schon mal in einer warmen Sommernacht von einer Mücke heimgesucht worden ist, der wird wissen, wie störend selbst die leisesten Töne sein können und wie sie einen beinahe zur Verzweiflung treiben. Menschen mit Tinnitus sind quälenden Geräuschen und Tönen ständig ausgesetzt.

Doch was genau ist Tinnitus?

 

Bei einem Tinnitus nehmen Menschen ein Klingeln, Rauschen, Brummen und/oder Pfeifen im Ohr wahr. Die belastenden Ohrgeräusche sind keiner äußeren Quelle zuzuordnen. Sich von dieser zu entfernen und das Klingeln und Sausen so zu umgehen, ist also nicht möglich. Der Tinnitus als ständiger oder wiederkehrender Begleiter sorgt für einen hohen Leidensdruck, der Betroffene im wahrsten Sinne des Wortes keine Ruhe mehr finden lässt.

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Wahrnehmung von Tinnitus

Ein Tinnitus kann an nur einem Ohr oder beidseitig vorliegen. Manchmal ziehen sich die unangenehmen Ohrgeräusche bis in den Kopf hinein. Auch hinsichtlich der Lautstärke gibt es Unterschiede.

Ein Tinnitus kommt selten allein

Innerhalb der Klassifizierung unterscheidet man den akuten und den chronischen Tinnitus. Dabei liegt ein chronischer Tinnitus vor, wenn die Ohrgeräusche länger als drei Monate auftreten. Zudem kann ein Tinnitus in verschiedenen Formen vorliegen, beispielsweise mit einem Hörverlust oder einer Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis), Kopfschmerzen oder Schwindel. 

Was Tinnitus noch ist – Folgen und Begleitsymptome

Die Behandlung von Tinnitus findet vor allen Dingen in der Psychosomatik ihren Platz, weil das Beschwerdebild mit einer Reihe von psychosozialen Begleiterscheinungen einher geht. Treten diese zusätzlich auf, wird von einem dekompensierten Tinnitus gesprochen. Zu häufigen Begleitsymptomen gehören unter anderem: 

  • Schlafstörungen
  • Depression und Ängste
  • Verzweiflung und Hilflosigkeit
  • Sozialer Rückzug
  • Entspannungs- und Konzentrationsschwierigkeiten
 

Hier ein Beispiel, inwiefern ein Tinnitus die normale Lebensführung einschränkt:

Als soziales Wesen sind wir auf die Kommunikation mit anderen angewiesen. Oftmals erschwert das Sausen, Pfeifen und Klingeln jedoch das Hören und Sprachverstehen, weshalb der verbale Austausch mit anderen Menschen erschwert ist.

Scham, sozialer Rückzug und Ängste werden dadurch verstärkt. Hinzu kommt, dass die Problematik für das Umfeld nur schwer nachvollziehbar ist. Die Begleiterscheinungen und Folgen des Tinnitus sind es vor allen Dingen, die zu den enormen Belastungen im privaten und auch beruflichen Bereich führen.

Ursachen & Aufrechterhaltung

Medizinische Ursache

Die somatischen Ursachen eines Tinnitus sind vielfältig. Neben Funktionsstörungen im Hörsystem können Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Mittelohrentzündungen, Altersschwerhörigkeit, Hörsturz sowie Fehlstellungen des Kiefers oder der Halswirbelsäule (mit)verantwortlich für die Entstehung eines Tinnitus sein. Unser Ohr ist ein sensibles Organ.

Dennoch unterscheiden sich Menschen darin, von welcher Schwelle an sie ein Geräusch als unangenehm oder gar schmerzhaft einstufen. So führen ebenfalls Lärmtraumata zu Tinnitus. Das können einmalige Ereignisse (Explosion) oder regelmäßige Geräuschkulissen sein (z.B. Diskothekenbesuch, arbeitsplatzbedingte Lautstärke).

Gewöhnung

Jede Sekunde werden wir mit unzähligen Reizen konfrontiert und wir lernen, diese zu selektieren. Ein einfaches Beispiel ist das Ticken einer Wanduhr. Wenn Sie diese im Wohnzimmer hängen haben, nehmen Sie die Geräusche irgendwann nicht mehr bewusst wahr. Alles andere wäre sehr zeit- und energieraubend.

Bei Patienten mit chronischem Tinnitus tritt dieser Effekt nicht ein. Das Geräusch wird nicht ausgeblendet, möglicherweise als bedrohlich bewertet und ist somit emotional behaftet. Dadurch wird die Aufmerksamkeit ständig auf die störenden Ohrgeräusche gelenkt, denn unser Gehirn möchte uns vor Gefahren warnen.

Bewertung

Die permanente Wahrnehmung der Ohrgeräusche führt zu Stress, Gefühlen der Verzweiflung und Hilflosigkeit. Verständlicherweise kommen Gedanken auf wie: „Was ist, wenn der Tinnitus nie verschwindet?“ oder „Die Geräusche machen mir das Leben zur Hölle.“ Eine Ablenkung ist kaum noch möglich. Die ständige Anspannung sorgt für ein erhöhtes Stresslevel, was bei vielen Betroffenen als Auslöser beziehungsweise Verstärker des Tinnitus beobachtet wird.

Bewältigung

Überzeugungen und Interpretationen, die Betroffene in Bezug auf ihren Tinnitus entwickeln, führen nicht nur zu einer emotionalen Belastung, sie sind zusätzlich verhaltenssteuernd. Einerseits werden soziale Aktivitäten gemieden und möglicherweise wird sich nur der geringsten Geräuschkulisse ausgesetzt, um eine Verschlimmerung der Ohrgeräusche zu verhindern.

Andererseits fürchten sich Betroffene vor Stille, da der Tinnitus dann noch präsenter erscheint. Menschen, die unter einem Tinnitus leiden, fühlen sich der Situation ausgeliefert und haben irgendwann den Glauben daran verloren, je wieder aus eigener Kraft ein Leben ohne beziehungsweise trotz Tinnitus leben zu können.

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Was zu tun ist, wenn Sie unter einem Tinnitus leiden

Wenn Sie unter einem anhaltenden Rauschen, Klingeln oder Pfeifen im Ohr leiden, zögern Sie nicht, sich mit einem Arzt in Verbindung zu setzen. Je früher Sie sich Hilfe suchen, desto eher lässt sich eine Chronifizierung vermeiden. Sollten Sie sich schon über einen längeren Zeitraum mit den Ohrgeräuschen quälen und bemerken, dass Sie bereits Einschränkungen in Ihrem Alltag erleben, ist eine ausführliche und interdisziplinäre Untersuchung eine nächste Anlaufstelle. 

Was ist Bestandteil bei der Therapie von Tinnitus? 

Tinnitus ist mehr als ein medizinisches Phänomen!

Wie bereits erklärt, sind es vor allem die psychosozialen Folgen und Begleiterscheinungen, die maßgeblich für die Aufrechterhaltung und den Leidensdruck der Betroffenen verantwortlich sind. Neben einer medikamentösen Behandlung und akustischer Stimulation, sind also auch Gespräche, beispielsweise in Form von kognitiver Verhaltenstherapie, fester Bestandteil bei der Tinnitustherapie.

 

Hier erhalten Betroffene Informationen, modifizieren ihre Bewertungen bezogen auf den Tinnitus und erlernen neue Bewältigungsstrategien. Es geht in erster Linie darum, sich den Ohrgeräuschen nicht mehr ausgeliefert zu fühlen, die Selbstwirksamkeitsüberzeugungen zu stärken und das Vermeidungsverhalten zu reduzieren. Bei einer stationären Behandlung werden zusätzlich adjuvante Verfahren wie Entspannungs- und Sporttherapie integriert.

Lebensfreude trotz Tinnitus

Es wäre ein falsches Versprechen, Ihnen zu sagen, dass der Tinnitus mit der richtigen Therapie für alle Ewigkeit aus Ihrem Leben verschwindet. Fest steht aber, dass sich sowohl die Ohrgeräusche an sich, als auch die Begleitsymptome so weit reduzieren lassen, dass Sie wieder voller Freude und Energie Ihr Leben beschreiten können. Knipsen Sie der Mücke das Licht aus. Sie ist vielleicht noch irgendwo, aber Sie haben ein Stück weit die Kontrolle zurück.

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Stärkung von innen

Nichts an den äußeren Umständen ändern zu können bedeutet nicht, dass die Situation aussichtslos bleiben muss. Sie haben sich, voller Kraft und Ressourcen. Lassen Sie sie frei und geben sich eine Chance!

Über die Autorin

Unsere Autorin Natalie Kort ist Psychologiestudentin mit einem kreativen Kopf für die geschriebene Sprache. Das Geschick im Umgang mit Worten wurde ihr von ihrer Familie in die Wiege gelegt und mit dem gewissen Gespür für informative und doch ansprechende Texte verbindet sie ihr Wissen und ihre Leidenschaft in unserem MeDi-Guide Ratgeber für mentale Gesundheit.

Quellen
Natalie Kort ist Autorin bei der Blomenburg Privatklinik und bloggt rund um Themen der mentalen Gesundheit im MeDi-Guide Ratgeber.
Natalie Kort
Autorin