Depressionen Anzeichen: Die Blomenburg Privatklinik klärt auf, wie Sie Depressionen erkennen.
Anzeichen einer Depression
Der Kopf voll & doch so leer

„Ich verhungere“ meint in den meisten Fällen „ich habe großen Hunger“. „Heute bin ich wirklich depressiv“ meint in den meisten Fällen „Heute bin ich ziemlich schlecht drauf“. Was im täglichen Sprachgebrauch häufig als Synonym für niedergeschlagene, traurige Stimmung verwendet wird und in der Regel aus eigener Kraft überwunden werden kann, bedeutet für Menschen mit Depressionen einen Zustand, der für sie aussichtslos zu sein scheint. Die Depression ist die häufigste psychische Störung im Erwachsenenalter.

 

Die Arbeitsunfähigkeit aufgrund depressiver Erkrankungen hat in den letzten Jahren stark zugenommen, die Relevanz dieses Themas geht also über das Leiden der Betroffenen hinaus und betrifft auch das Umfeld. Das Risiko, in seinem Leben an einer Depression zu erkranken, beträgt für Frauen ca. 20-26%, für Männer ca. 12-16%. Sie frühzeitig zu erkennen, ernst zu nehmen und zu behandeln ist für den Verlauf und die Prognose der Erkrankung sehr entscheidend. Sich genauer mit den Anzeichen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Depression zu beschäftigen, kann sowohl für Betroffene als auch für Angehörige ausgesprochen hilfreich sein.

Anzeichen bei Depressionen sollten ernst genommen werden. Erfahren Sie mehr auf dem Blog der Blomenburg Privatklinik.
Symptome bei Depressionen

Die Symptome einer Depression sind so vielfältig wie ihre Ursachen und äußern sich bei den Betroffenen in unterschiedlicher Ausprägung, Dauer und Intensität. Manche leiden einmalig für einige Wochen unter einer klinisch relevanten Depression, bei anderen wiederrum tritt die Erkrankung wiederholt auf oder chronifiziert sich.

Depressionen erkennen

Wenn die Gefühle kaum in Worte zu fassen sind

Es gibt nicht die eine „richtige“ Depression, wobei sich das Krankheitsbild durch einige zentrale Merkmale charakterisieren lässt. Meistens beginnen sie schleichend. Übergreifend ist ein Verlust an Interessen und der Fähigkeit, Freude zu empfinden, der über mindestens zwei Wochen anhält. Pessimistische Überzeugungen, Selbstabwertungen, endlose Grübeleien, Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit legen sich wie ein Schleier über das Leben der Betroffenen und filtern ihre Wahrnehmung. Nicht selten wird ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“ berichtet, eine innere Leere, die sich durch Gleichgültigkeit und Perspektivlosigkeit kennzeichnet. Sie fühlen sich in sich selbst gefangen; wie abgetrennt von der Außenwelt. Hinzu kommen:

  • Kraft- und Antriebslosigkeit
  • Libidoverlust 
  • Denken in schwarz und weiß sowie katastrophisierende Gedanken
  • Suizidgedanken
  • Somatische Beschwerden wie innere Unruhe, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, unspezifische Schmerzen und verminderter oder gesteigerter Appetit
 

Die somatischen Aspekte sind häufig frühe Anzeichen einer Depression, werden aber oft nicht als solche wahrgenommen. Körperliche und psychische Symptome können sich gegenseitig beeinflussen. Gerade das Grübeln über Vergangenes oder die Zukunft treten nachts auf, wodurch der Schlafmangel den Start in den Tag erschwert und die depressive Symptomatik hier besonders deutlich ausgeprägt ist. Man spricht auch vom sogenannten Morgentief. Depressionen gehen ebenfalls häufig mit anderen psychischen Erkrankungen wie Angststörungen einher. 

Alle Lebensbereiche können betroffen sein

Der seelische und körperliche Zustand führt zu deutlichen Beeinträchtigungen im privaten, sozialen und beruflichen Kontext. Es werden kaum noch Freizeitaktivitäten wahrgenommen und selbst alltägliche Aufgaben wie Einkaufen gehen, Staubsaugen oder Kochen können zu teils unüberwindbaren Herausforderungen werden. Betroffene haben den Eindruck, keinen Mehrwert für die Gesellschaft zu bieten, ein „Nichtsnutz“ zu sein und anderen zur Last zu fallen. Der soziale Rückzug führt dazu, dass keine positiven Erfahrungen außerhalb der eigenen, negativen Gedankenwelt gemacht werden, was die Symptome wiederrum verschlimmert; ein Teufelskreis.

Anzeichen einer Depression werden häufig bagatellisiert

Mangelndes Verständnis im Umfeld

Für Außenstehende ist die Gefühls- und Gedankenwelt von Menschen mit Depressionen schwer nachvollziehbar. Stress, Konflikte und Trauerreaktionen auf Verlust oder Trennung gehören zur Erfahrung eines jeden Menschen dazu. Normalerweise ist einer Person dann aber bewusst, durch wen oder was eine niedergeschlagene oder traurige Stimmung ausgelöst wurde. Das kann es anschließend leichter machen, dort anzusetzen und die Situation eigenständig zu bewältigen.

Nicht selten ist genau das bei Menschen mit Depressionen anders. Auch hier kann es auslösende Ereignisse geben, die Dauer und Intensität der depressiven Symptomatik steht jedoch in keinem Verhältnis mehr zu den von außen beobachtbaren Lebensumständen, was es für Betroffene und deren Angehörige oft noch schlimmer macht. Es ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. In einer Depression festzustecken, sich ihr ausgeliefert zu fühlen, ist gewiss keine Frage mangelnder Willenskraft.

 

Mehr als Stimmungstief

„Du hast doch alles im Leben“, „ich habe auch manchmal einen schlechten Tag“ oder „schau dir einen lustigen Film an“ sind gut gemeinte Versuche, Betroffene zu ermutigen. In der Regel haben sie allerdings eine gegensätzliche Wirkung, da Menschen mit Depressionen ohnehin mit Schuldgefühlen zu kämpfen haben. Ist jemand an einer Lungenentzündung erkrankt, würde vermutlich niemand sagen: „Du musst einfach nur mal tief durchatmen.“ Depressionen gehen weit über ein Stimmungstief hinaus und sind eine ernstzunehmende Krankheit.

Störungsspezifische Seminare und Vorträge wie beispielsweise die Psychoedukation in der Blomenburg Privatklinik klären Sie umfassend über Ihr Krankheitsbild auf.
Entstehungsmodell

Persönlichkeit

Einige Menschen sind aufgrund ihrer Persönlichkeitseigenschaften empfänglicher für Depressionen. Dazu gehören u.a. emotionale Instabilität, Perfektionismus, Pessimismus, ungünstige Denkmuster und ein niedriges Selbstbewusstsein. Zudem unterscheiden sich Menschen in ihrer Resilienz, was so viel wie das „psychische Immunsystem“ bedeutet. Einige sind widerstandsfähiger gegenüber stressigen und belastenden Situationen als ihre Mitmenschen.

Lebensereignisse

Ob erst kürzlich zurückliegend oder Traumata aus der Kindheit, Menschen werden durch ihre Erfahrungen geprägt. Misslingt die Verarbeitung von Schicksalsschlägen oder anderen schwierigen Situationen zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Lebensgeschichte, kann das zur Entstehung einer Depression beitragen.

Erkrankungen

Es gibt körperliche Erkrankungen, die depressive Symptome mit sich ziehen. Um auszuschließen, dass die Symptome Folge oder Begleiterscheinung einer organischen Ursache sind, wie Erkrankungen der Schilddrüse, einer Demenz oder eines Tumors, wird für die Diagnose auch eine medizinische Untersuchung durchgeführt. 

Biologische Ursachen

Die Botenstoffe Serotonin (das „Glückshormon“) und Noradrenalin sind in unserem Gehirn an unterschiedlichen Prozessen beteiligt. Bei depressiven Patienten und Patientinnen konnte mithilfe bildgebender Verfahren beobachtet werden, dass diese Botenstoffe nicht ausreichend vorhanden sind und nicht mehr in ihrem natürlichen Gleichgewicht vorliegen. Dadurch können bestimmte Abläufe nicht oder nur noch eingeschränkt funktionieren. Nicht zu unterschätzen ist die Rolle der Genetik. Familiäre Häufungen sprechen dafür, dass die Empfänglichkeit dafür, eine Depression zu entwickeln, vererbbar ist.

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Frühzeitige Therapie hilft doppelt

Liegen bei Ihnen Anzeichen einer Depression vor, sollten Sie sich schnellstmöglich um eine ärztliche und/oder psychotherapeutische Abklärung Ihrer Beschwerden bemühen. Sie brauchen sich nicht dafür zu schämen, auch wenn Sie vielleicht denken, dass es Anderen doch viel schlechter geht. Leid ist nicht objektiv messbar und jeder Mensch entscheidet für sich selbst, was das Leben für ihn oder sie lebenswert macht. Holen Sie sich die Unterstützung, die Sie brauchen!

Eine Depression kann jeden Menschen treffen, ihr ist es egal, ob sie jung, alt, arm oder reich sind. Sich frühzeitig um eine Therapie zu kümmern, kann den Verlauf und die Dauer einer Depression deutlich verbessern. Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit können Teil Ihrer Symptomatik sein, die Realität lässt aber allemal Grund zur Hoffnung zu, denn Depressionen sind mit der richtigen Unterstützung gut behandelbar!

Über die Autorin

Unsere Autorin Natalie Kort ist Psychologiestudentin mit einem kreativen Kopf für die geschriebene Sprache. Das Geschick im Umgang mit Worten wurde ihr von ihrer Familie in die Wiege gelegt und mit dem gewissen Gespür für informative und doch ansprechende Texte verbindet sie ihr Wissen und ihre Leidenschaft in unserem MeDi-Guide Ratgeber für mentale Gesundheit.

Quellen
Natalie Kort ist Autorin bei der Blomenburg Privatklinik und bloggt rund um Themen der mentalen Gesundheit im MeDi-Guide Ratgeber.
Natalie Kort
Autorin