Junger Mann spielt gedankenverloren mit Handy und einem Stift vor einem Laptop
ADHS im Erwachsenenalter
Unsichtbarer Sturm im Alltag

Gedanken, die wild von A nach B springen, Impulsivität, die schwer zu bändigen ist, Unaufmerksamkeit, die einem immer wieder Hindernisse in den Weg stellt, das Gefühl in einem Rennwagen, ohne bremsen zu sitzen – als Erwachsener mit ADHS ist man mit vielen Herausforderungen im Alltag konfrontiert. AD(H)S, oft als Kinderkrankheit abgestempelt, begleitet Betroffene auch im weiteren Leben.

 

Dort, wo es früher das unaufgeräumte Kinderzimmer oder das vergessene Schulheft waren, können es heute der unorganisierte Haushalt, oder das Vergessen wichtiger Termine und Aufgaben sein. Neben den typischen Symptomen von ADHS leiden Betroffene oft auch unter Angststörungen oder Depressionen. So wird ADHS manchmal übersehen.

Frau greift sich an die Stirn, um die Spannung zu lösen
Rund um AD(H)s

Was ist AD(H)S eigentlich?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die sich in verschiedenen Symptomen äußert. Dazu gehören Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Diese Merkmale können sich in verschiedenen Lebensbereichen, wie Schule, Arbeit und sozialen Beziehungen, manifestieren.

ADHS betrifft nicht nur Kinder, sondern kann auch ins Erwachsenenalter persistieren. Wer unter ADHS leidet, ist weder faul noch weniger intelligent. Vielmehr sind es neurobiologische Faktoren, die zu den beobachteten Verhaltensweisen führen. Unterschiedliche Regionen im Gehirn, insbesondere solche, die für Aufmerksamkeit und Impulskontrolle verantwortlich sind, können bei Menschen mit ADHS anders funktionieren. Mehr lesen

ADHS oder ADS? – Formen & Typen

ADHS wird oft als Überbegriff verwendet, der sowohl die hyperaktiven als auch die unaufmerksamen Symptome umfasst. Es ist wichtig zu betonen, dass beide Begriffe oft als Synonyme verwendet werden, und der Übergang zwischen den beiden nicht immer klar abgegrenzt ist.

Die Unterscheidung zwischen ADHS und ADS liegt hauptsächlich in den vorherrschenden Symptomen und ihrer Ausprägung. Während bei ADHS alle drei Kernsymptome – Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität – gemeinsam auftreten können, manifestiert sich ADS hauptsächlich durch Unaufmerksamkeit.

Der überwiegend unaufmerksame Typ von ADHS zeigt sich durch Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit über längere Zeit zu halten. Betroffene können leicht abgelenkt werden, vergessen oft Dinge im Alltag und neigen dazu, leicht den Faden zu verlieren. Dies kann sich auf schulische und berufliche Leistungen sowie auf zwischenmenschliche Beziehungen auswirken.

Der überwiegend hyperaktive-impulsive Typ ist durch auffällige körperliche Unruhe, Impulsivität und spontane Handlungen gekennzeichnet. Menschen mit diesem Typ können Schwierigkeiten haben, ruhig zu sitzen und ihre Handlungen sind oft von spontanen Eingebungen geprägt.

Der Mischtyp vereint Merkmale beider Varianten und zeigt eine Kombination von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Dieser Typ kann eine besondere Herausforderung darstellen, da eine Vielzahl von Symptomen gleichzeitig auftreten und individuell unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Die Unterscheidung zwischen ADHS und ADS ist nicht nur diagnostisch, sondern auch therapeutisch relevant. Eine genauere Bestimmung des vorherrschenden Typs ermöglicht eine gezielte Therapie, die besser auf die individuellen Bedürfnisse der betroffenen Person zugeschnitten ist. Hierbei spielen sowohl nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Verhaltenstherapie und Psychoedukation als auch medikamentöse Ansätze eine wichtige Rolle.

Diagnose

Die Diagnose von ADHS im Erwachsenenalter kann eine Befreiung sein. Endlich hat der unsichtbare Sturm im Kopf einen Namen. Doch die Unterscheidung zwischen ADHS-Symptomen und Persönlichkeitseigenschaften kann schwierig sein. Eine professionelle Diagnose ist entscheidend, um den Weg zur Veränderung zu ebnen. Wir in den Blomenburg Privatkliniken bieten Ihnen einen strukturierten Diagnoseprozess, der individuell auf die Bedürfnisse eingeht.

Die Diagnose von ADHS erfolgt anhand von bestimmten Kriterien, die in den Diagnoseleitlinien festgelegt sind. Diese Kriterien umfassen eine Vielzahl von Symptomen, die sich in verschiedenen Lebenssituationen, wie Schule, Beruf und sozialen Beziehungen, manifestieren sollten.

Eine genaue Abklärung ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die individuelle Situation angemessen berücksichtigt wird. Zudem ist eine sorgfältige Anamnese notwendig, um sicherzustellen, dass die Symptome nicht auf andere Erkrankungen oder Diagnosen zurückzuführen sind.

Die individuell angepasste Behandlung, die nach der Diagnose ADHS erfolgt, kann verschiedene Ansätze umfassen, darunter Verhaltenstherapie, kognitive Verhaltenstherapie und in einigen Fällen auch medikamentöse Therapie. Ein ganzheitlicher Ansatz, der auch die Umgebung und die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt, ist entscheidend, um Ihnen bestmögliche Unterstützung zu bieten und Ihnen Werkzeuge zur Selbstorganisation und Bewältigungsstrategien an die Hand zu geben.

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Begleiterkrankungen

Nicht selten öffnet gerade ein unbehandeltes ADHS/ADS die Tür zu einer Reihe von Begleiterkrankungen, die den Alltag der Betroffenen zusätzlich beeinträchtigen können.

Hier finden Sie einige Begleiterkrankungen die bei ADHS auftreten können: 

  • Angststörungen: Der ständige Gedankenstrom und die Schwierigkeit, sich zu beruhigen, können Ängste verstärken oder sogar auslösen.
  • Depressionen: Langfristige Frustrationen und Rückschläge im Zusammenhang mit den Herausforderungen von ADHS können zu depressiven Symptomen führen.
  • Schlafstörungen: Die innere Unruhe und die Schwierigkeit, abzuschalten, können zu Schlafproblemen führen.
  • Substanzmissbrauch: Einige Menschen mit ADHS neigen dazu, sich selbst zu beruhigen, indem sie zu Substanzen wie Alkohol oder Drogen greifen.
  • Bipolare Störung: Die Impulsivität und Stimmungsschwankungen von ADHS können Ähnlichkeiten mit den Symptomen einer bipolaren Störung aufweisen.
  • Essstörungen: Unkontrollierbares Essverhalten kann bei Menschen mit ADHS auftreten, insbesondere als Reaktion auf emotionale Schwierigkeiten.

 

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ADHS-Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild von ADHS bei Erwachsenen ist vielschichtig und kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Die unsichtbaren Symptome können jedoch einen erheblichen Einfluss auf verschiedene Lebensbereiche haben, von der Arbeit über Beziehungen bis hin zur eigenen Lebensführung.

ADHS zeigt sich bei Erwachsenen oft mit einem andersartigen Erscheinungsbild im Vergleich zu Kindern. Die Hyperaktivität, die bei Kindern typischerweise im Vordergrund steht, kann sich bei Erwachsenen in innere Unruhe, Rastlosigkeit und einem ständigen Gefühl der Getriebenheit äußern.

 

Die Symptome bei ADHS sind für die Umwelt oft nicht sichtbar, sondern werden als Faulheit oder Unbeherrschtheit verstanden, das führt zu Missverständnissen und Vorurteilen. Struktur im Alltag, Termine, Haushalt und berufliche Ordnung ist für Betroffene mir ADHS eine Herausforderung und kostet viel Kraft. Wer unter ADHS leidet, ist dann schneller erschöpft oder überfordert.

Impulsivität, auch ein bekanntes ADHS-Merkmal, äußert sich oftmals in spontanen Handlungen ohne ausreichende Überlegung der Konsequenzen, folglich riskantem Verhalten, Schwierigkeiten bei der Impulskontrolle und plötzlichen Stimmungsschwankungen zeigen.

Hier ergeben sich auch Problemen in sozialen Beziehungen, da Betroffene oft Schwierigkeiten haben, aufmerksam zuzuhören und sich in Gesprächen zu konzentrieren und es Ihnen schwerfällt, soziale Kontakte z.B. Freundschaften länger aufrecht zu halten.

Innere Unruhe und ein ständiges „Denken und Grübeln“ belastet ADHS Patienten, sodass es schwerfällt sich zu entspannen. Die Unfähigkeit, den „Kopf zu beruhigen“, kann auch Erschöpfung, Schlafstörungen und Burnout führen.

Therapie

Die Diagnose von ADHS, auch wenn sie erst im Erwachsenenalter gestellt wird, kann eine Befreiung für Betroffene sein. Durch gezielte Therapien, individuelle Beratung und Unterstützung lernen die Patient:innen, ihre Selbstorganisation zu stärken und effektive Problemlösungsstrategien zu entwickeln.

 
  • Die Therapie von ADHS umfasst oft einen ganzheitlichen Ansatz, der auf die individuellen Bedürfnisse und Lebensumstände der Betroffenen zugeschnitten ist. Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist die psychoedukative Aufklärung, um die Diagnose und die Symptome zu verstehen und effektive Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
     
  • Verhaltenstherapien und Übungen helfen konkrete Fähigkeiten zu erlernen, um mit den Herausforderungen des täglichen Lebens besser umgehen zu können. Dies kann die Organisation von Aufgaben, Zeitmanagement und soziale Kompetenzen umfassen.
  • Medikamentöse Therapieoptionen werden ebenfalls in Betracht gezogen, insbesondere wenn die Symptome schwerwiegender sind und den Alltag erheblich beeinträchtigen.

In Zusammenarbeit mit unserem interdisziplinären Team von Expert:innen, darunter Psycholog:innen, Ärzt:innen und Therapeut:innen, ermöglichen wir Ihnen eine umfassende Betreuung. In unseren Kliniken helfen wir Ihnen dabei, Ihre Lebensqualität zu verbessern und Ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, die Sie benötigen, um erfolgreich durch den Alltag zu navigieren.

AHDS Therapie in den Blomenburg Kliniken